Leitbild des Pflegedienstes SoPHiA

Die moderne Geisteswissenschaft – Anthroposophie – sieht in allen materiellen Erscheinungen auf der Erde und im Kosmos den Ausdruck geistiger Realitäten. Diese Weltanschauung bestimmt unser individuelles und auch gemeinschaftliches Handeln. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf den Menschen als integrierte Einheit aus Körper, Seele und Geist (Ich). Die Pflege des Leiblichen stellt für uns eine Brücke dar zum Seelisch-Geistigen des Pflegebedürftigen. Mithilfe geisteswissenschaftlicher Forschung und Erkenntnissen würdigen wir seine Individualität und Einzigartigkeit. Entsprechend machen wir keinen Unterschied nach Herkunft, Geschlecht, Glauben oder politischer Überzeugung. Von besonderer Bedeutung ist hier die Qualität der Begegnung, die von Wertschätzung, Respekt, Liebe und Mut getragen wird, was eine gesunde Abgrenzung mit einschließt.

Ganzheitlich angeschaut gliedert sich das menschliche Leben in vier Daseinsbereiche: Der Physische Leib, der Ätherleib mit den Lebenskräften, der Astralleib mit den Seelenkräften und das Ich, der ewig-geistige individuelle Wesenskern. Auf diesen vier Ebenen findet Pflege als ein komplexer Vorgang statt.

Für die Wahrnehmung seiner Innen- und Außenwelt entwickelt der Mensch im Laufe seines Lebens nach anthroposophischem Verständnis zwölf unterscheidbare Sinnesorgane. Diese sind in der Pflege angemessen zu berücksichtigen. Ihre Kenntnis und Schulung ebenso wie das Verständnis für das Zusammenspiel der vier Wesensglieder helfen uns, den zu pflegenden Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen. Unsere Pflegehandlungen orientieren sich an der anthroposophisch erweiterten Medizin und Pflege. Sie zielen auf die Unterstützung, die Förderung der vorhandenen Möglichkeiten und die Begleitung des pflegebedürftigen Menschen.

Auch den Umgang mit Sterben und Tod verstehen wir als eine individuell zu bewältigende Aufgabe und Herausforderung für alle Beteiligten. Die pflegerische Begleitung eines Sterbenden bis an die Schwelle zur geistigen Welt ge- schieht aus dem Bewusstsein von wiederholten Erdenleben.

Wir schulen uns in der Wahrnehmung der individuellen Bedürfnisse und Wün- sche des Sterbenden und seiner Angehörigen und bieten unsere einfühlsame Unterstützung und Beratung an.

Das allgemeine Ziel unserer Arbeit ist die Zufriedenheit der Patienten und der Mitarbeiter. Die Pflegenden gehen daher verantwortungsvoll mit ihren physischen und psychischen Ressourcen um. Sie tragen die Verantwortung für sich und die ihnen anvertrauten Menschen. Sie reflektieren selbstkritisch ihr Handeln und entwickeln ihre fachlichen, menschlichen und sozialen Kompetenzen ständig fort. Zur Selbstschulung gehört auch die Ausbildung eines echten menschlichen Interesses an dem jeweils Anderen und eine aktive Toleranz. Aus der Gemeinschaftsbildung untereinander, mit den Patienten und deren nahestehenden Menschen sowie den ebenfalls beteiligten Berufsgruppen wie Ärzten, Therapeuten, Seelsorgern usw. erwächst uns eine Kraftquelle für die tägliche Arbeit. Unsere Verhältnisse untereinander regeln wir anhand der Prinzipien der Dreigliederung des Sozialen Organismus.

Wir fühlen uns den Prinzipien nachhaltigen Wirtschaftens, also der Erhaltung der Lebensgrundlagen für nachkommende Generationen, verpflichtet. Daher bemühen wir uns um ökologische Stoffkreisläufe im Bereich von Einkauf, Verbrauch und Entsorgung durch die Einbindung geeigneter Lieferanten, die Wahl schadstofffreier Betriebsmittel und deren ressourcenschonenden Einsatz.

Die durch Anthroposophie erweiterte Pflege ist für uns eine Alternative zu dem weit verbreiteten Kosten-Nutzen-Denken in der heute üblichen Pflege. Wir sehen Pflegebedürftigkeit nicht länger vom Gesichtspunkt des Mangelhaften und Unproduktiven her, sondern verstehen uns vielmehr als Entwicklungsbegleiter. Dieses besondere Verständnis von Pflege wollen wir auch in der Öffentlichkeit bekannt machen. Wir sind uns bewusst, dass eine wichtige Vorausset- zung dafür die Bereitschaft ist, sich selbst im Sinne der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners und der daraus hervor gegangenen Sicht auf die Pflege ständig weiter zu entwickeln.

Mannheim, Oktober 2002 

2013 / 2014 

 Vorstand und Gründungsteam

Überarbeitung im gesamten Team